Midlife Crisis.

Ich befinde mich an einem „Nullpunkt“ – Ground Zero – sozusagen. Wie ich hierhergekommen bin? Aktion und Reaktion, würde ich stark behaupten. Um genau zu sein, glaube ich, dass alles in meinem Leben, genau hierher geführt hat. Ich eröffne diesen Blog, als mein Tagebuch, um es mit der Welt zu teilen. Warum, könnte man sich jetzt fragen. Um ehrlich zu sein, spielt es keine Rolle für mich. Ich will es. Es muss keinen größeren oder edleren Grund dafür geben. Ich will Menschen in meinen Verstand blicken lassen, ohne die Notwendigkeit meiner Worte, um ihn begreiflich zu machen.

Meine Wahrnehmung war schon immer „spezieller“, als derer, die um mich herum waren. Familie, Freunde oder Bekannte, ich habe schon ziemlich früh gemerkt, dass ich anders bin.

Schon als Kind habe ich mein Umfeld sehr bewusst wahrgenommen. Ich habe es geliebt, im Regen spazieren zu gehen. Das beruhigende Geräusch, der Regentropfen, auf meinem Regenschirm – die kühle Luft. Alles davon, ließ mich entspannen. Dennoch waren meine Augen immer eisern auf den Boden gerichtet. Der Regen lässt andere Erdbewohner nämlich auch spazieren gehen – so wie mich. Überall waren Regenwürmer und Schnecken unterwegs, denn sie könnten, durch die Ansammlung des Regenwassers, ertrinken, würden sie in der Erde oder an einer bestimmten Stelle, zu lange verweilen.

Ich hatte sie genauestens im Blick. Nicht, weil ich mich vor ihnen geekelt hatte – nein – ich empfand ihre Existenz als genauso wertvoll, wie die meine. So war es schon immer. Faszinierend, wenn man bedenkt, unter welchen Umständen ich aufgewachsen bin.

Schon immer, habe ich mich gefragt, ob das Leben, was so viele von uns haben, alles ist. Ich beobachte Menschen, genauso, wie ich mich beobachte. Wir spielen Rollen. Rollen, die wir uns selbst ausgesucht haben oder die, die wir von anderen auferlegt bekommen haben. Welche davon machen uns eher glücklich? Welche davon sind wirklich wir?

Manchmal frage ich mich, ob wir verdammt sind, die Schleife unserer Vorgänger zu durchbrechen. Es anders zu machen, als sie. Wer in den Genuss, der Bekanntschaft mit seiner Seele, gekommen ist, weiß, wovon ich rede. Wir sind alle Eins und doch sind wir Individuen. Wir sind gut und wir sind böse. Wir sind alles und nichts. Die Möglichkeiten sind unendlich. Diese Wahrheit ist nicht einfach zu schlucken. Sie eröffnet einen Horizont des endlosen Potentials.

Viele stellen sich im Laufe ihres Lebens die Frage nach dem Sinn. Warum sind wir hier? Wieso bin ich hier? Was soll das hier alles? Sollen wir arbeiten, bis wir sterben und das wars?

Daran habe ich noch nie geglaubt und deswegen hatte ich es auch nicht besonders leicht, im Leben zurechtzukommen. Abgesehen von meiner kaputten Familie, hatte ich auch noch die Gabe des Sehens. Oder sollte ich es besser – „Verstehen“ – nennen? Ich weiß, dass da mehr ist, für jeden von uns. Wir müssen uns einfach dafür entscheiden. Die Welt ist grausam, weil wir sie dazu gemacht haben. Wir können sie aber auch wieder schön machen.

Menschen können so leicht an negative Dinge glauben. Es ist schon lächerlich, wie sie jammern, wenn etwas nicht so funktioniert, wie sie es gerne hätten. Aber etwas ins Positive zu wandeln? Zuviel Arbeit.

Ich weiß nicht genau, wann es passiert ist, aber das Leben hat mich aus irgendeinem Grund, immer wieder, in eine Art von Mittelpunkt gedrängt. Dabei mag ich das überhaupt nicht. Bei Theateraufführungen wurden mir Hauptrollen zugeteilt, was mich schon überfordert hat. Ich hätte sie ablehnen können, allerdings war ich, zu diesem Zeitpunkt, alles andere als selbstbewusst. Noch schlimmer – ich war ein People-Pleaser.

Mittlerweile verstehe ich, wieso ich all diese Herausforderungen in meinem Leben hatte. Sie haben mich hierher gebracht und zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Tief in mir weiß ich, dass ich dazu gemacht bin, um das Geschenk, des Bewusstseins, zu erhalten, um dieses anderen auch möglich zu machen. Wie genau ich das jedoch umsetzen werde, weiß ich noch nicht. Schließlich kann man niemanden bewusst „machen“. Man kann ihnen nur dabei helfen, sich selbst zu finden.

Das ist es, was ich tun möchte – helfen. Meine tiefe Empathie lässt es zu, dass ich meinen Fokus komplett auf eine andere Person legen kann. Ich kann sie förmlich einnehmen, jede Emotion nachempfinden, wenn ich will. Es mag vielleicht absurd klingen, aber nur durch das Erkennen und Akzeptieren der Dunkelheit, kann man das Licht finden.

Und ich kenne die Dunkelheit. Unser Schatten ist ein Teil von uns, der uns genauso, wie wir selbst, bis zum Ende unseres Lebens begleitet. Davor wegrennen können wir nicht, deswegen versuchen viele, ihn einfach zu ignorieren und betäuben sich, mit etlichen Hilfsmitteln, sobald er hervorkommt.

Sobald ihr euren Schatten angesehen habt, könnt ihr auch den von Anderen sehen.

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