Seit dem ich ein bewussterer Mensch geworden bin, betrachte ich die zwischenmenschlichen Beziehungen ganz anders.
Wir existieren aktuell auf Basis der Abhängigkeit voneinander. Menschen bekommen Kinder, um etwas selbst in ihnen zu heilen oder jemanden zu haben, der im Alter für sie da ist. Vielleicht wollen sie auch das simpelste aller Bedürfnisse erfüllen. Gemeinsamkeit und Zusammenhalt – das Beenden ihrer Einsamkeit.
Manche Menschen leben in der Illusion, sie könnten andere Menschen für ihre Zwecke nutzen. Sie ausnehmen, auf jede erdenkliche Art und Weise. Kinder sollen ihren Eltern „dankbar“ sein. Sie können einem das Gefühl von Schuld und Verantwortung ganz einfach übertragen, dabei würde man meinen, dass sie diese tragen müssten. Dieses Verhalten finden wir aber auch, in anderen zwischenmenschlichen Beziehungen wieder. Der toxische Partner, der will, dass wir den Boden unter ihm küssen, sobald er etwas für uns getan hat. Es wird auf eine Liste im Verstand geschrieben und wird bei jedem Streit wieder aufgezählt. „Hast du schon vergessen, als ich… ,für dich?“, kennen wir wohl alle – von irgendwem.
Die Wahrheit ist, Erwachsene sind auch nur Kinder, mit einem ausgewachsenem Körper, anderen Herausforderungen und sehr viel Verantwortung. Wenn man nie richtig gelernt hat, damit umzugehen, versucht man diese Lücke anderweitig zu füllen. Wir alle wollen kompensieren, vor allem unsere Unsicherheiten und Ängste – welche wir selbst kreieren.
Früher oder später, bemerkt man im Leben, dass die eigenen Eltern auch nur random Menschen sind, zu denen man gestoßen ist. Wenn man das Glück hat, hat man bewusste und liebende Eltern, welche einen nicht aus irgendeinem egoistischen Grund gezeugt und auf die Welt gebracht haben. Ihr dürft sie als Individuen kennenlernen und werdet im Lauf der Zeit merken, ob sie eurer Entwicklung gut tun oder eher schaden.
Sollte zweiteres der Fall sein, empfehle ich immer eins. Radikale Trennung. Ich weiß, dass es hart klingt und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass ich es auch am eigenen Leibe durchgemacht habe. Tatsache ist dennoch, dass ihr spüren werdet, wie sehr euer Leben sich ins positive wenden wird, sobald ihr es getan habt.
Dies gilt übrigens für alle Beziehungsformen – Freunde, Partner und Bekannte. Wenn ihr bemerkt, dass die Beziehung, auf der Basis einer ungesunden Abhängigkeit, existiert, solltet ihr sie, zum Wohle aller Beteiligten, beenden.
Nehmen wir das klassische Beziehungsmodell, dies des Narzissten und des People-Pleasers. Beide Parteien haben nie lernen dürfen, wie sie richtig mit den Emotionen, die gewisse Situationen oder Menschen auslösen, umzugehen haben. Der Narzisst weist jede Schuld von sich ab und der People-Pleaser ladet sich einfach jede auf. Beides führt auf Dauer zu Erkrankungen, sowohl physische als auch psychische. Denn das eine, geht immer mit dem anderen einher. Dualismus.
Keiner der Beiden, ist der aktiv schuldige Part. Natürlich neigen wir aus Mitgefühl eher dazu, dem People-Pleaser Verständnis entgegenzubringen, als dem „bösen“ Narzissten. Tatsächlich aber tragen wir alle beides in uns. Es sind nur andere Begrifflichkeiten.
Der Narzisst lebt im Extremen des Ego’s, während der People-Pleaser das Ego verabscheut. Der Eine interessiert sich also nur für sich selbst und der Andere überhaupt nicht. Beides sind die extremen Formen des Bewusstseins und wir wissen alle, dass das Extreme für eine gewisse Zeit gutgehen kann, aber auf Dauer nur Zerstörung bringt. Eine Trennung dieser beiden Extremen ist mehr als notwendig, jedoch, erfüllen sie jeweils die ungesunden Bedürfnisse, des anderen. Der Narzisst hat einen Schuldigen und der People-Pleaser jemanden, für den er sich verantwortlich machen kann. Win-Win oder? Naja.
Ich selbst war auch eine People-Pleaserin. Diese ungesunde Dynamik entstand in meiner Kindheit, als ich, durch meine Eltern, verantwortlich für meine Geschwister und für mich selbst, gemacht wurde. Abgesehen davon, dass sie unfähig waren, Eltern zu sein, waren sie auch nicht in der Lage, mit sich selbst umzugehen. Dadurch kam es, dass ich auch für ihr Wohl die Verantwortung übernahm.
Diese ungesunden Verhältnisse, werden meistens in unseren jüngeren Tagen, kreiert. Besonders durch unsere engsten Bezugspersonen.
Auch in meinen Kreisen habe ich diese Muster an Menschen wiedergefunden. Eine ehemalige Freundin, welche sich in einer On/Off-Beziehung mit ihrem Freund befand, ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie, die People-Pleaserin, und er, der Narzisst. Immer wieder versuchte ich, ihr in Gesprächen klarzumachen, dass es in dieser Kombination nie eine Veränderung geben wird. Sie sollten sich trennen, um jeweils an sich zu arbeiten und zu heilen. Ihr war alles mehr als bewusst, aber sie gestand sich selbst und auch mir, ihre eigene Unfähigkeit. Sie könne es nicht. Ich war frustriert, weil ich sie einerseits nicht hängen lassen wollte, aber auch nicht zusehen wollte, wie sie dieses Muster für weitere Jahre wiederholt und dabei leidet.
Unsere Freundschaft ging zu Ende. Irgendwann hatten wir einfach keinen Kontakt mehr. Monate zuvor hatte ich bereits ein Bauchgefühl, dass unsere Beziehung darauf hinauslaufen würde. Sie wählte ihr Elend und ich wählte dagegen. Ich wusste, dass es so kommen würde. Denn an sich sind wir hier, um voneinander zu lernen und dazu gehört es auch, loslassen zu können, sobald unsere Lektion zu Ende ist.
Durch die Erfahrungen mit meiner Seele, bzw. meinem Bewusstsein, habe ich auch wahre Liebe spüren und kennenlernen dürfen. Es ist nichts, was wir von Außen nehmen können – es befindet sich bereits in uns.
Dadurch wurde mir auch bewusst, dass meine vergangenen Beziehungen auf Abhängigkeiten basierten und keine davon, aus aufrichtiger Liebe. Sie benutzten mich, um vergangene Beziehungen zu kompensieren und für mich waren sie eine Ablenkung von meinem toxischen Zuhause.
Das Bewusstsein ist voller komplexer Aussagen. Einerseits existieren wir, um einfach zu existieren und zu erfahren, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Andererseits geht es darum, unser Bewusstsein zu erhöhen, um auf andere Ebenen zu gelangen. Wir sollen loslassen können, damit alles geschehen kann, was geschehen soll. Kontrolle sei also der Endgegner. Dennoch sollen wir auch handeln, damit wir uns einem entsprechenden Ziel nähern.
Wir versuchen es mit der Logik zu verstehen und dennoch passiert soviel, einfach nur über das Fühlen. Bevor etwas bestimmtes geschieht, spüren wir es bereits in uns – im Körper. Dennoch misstrauen wir diesem, „einfachen“, Körpergefühl und wundern uns dann, wenn es doch recht hatte.
Sehr oft kommt mir der Gedanke, dass unsere Emotionen sowas wie Sprungbretter sind, um eine dieser höheren Ebenen, zu erreichen. Wir werden irgendwann keine Sprache mehr benötigen. Wir werden nur noch, durch die Schwingungen unserer Emotionen, kommunizieren. Sprache dient der Spaltung, meiner Meinung nach. Wir versuchen schon so verzweifelt lang unserem Gegenüber, unser Denken, Handeln und Fühlen zu erklären und Worte haben nie geholfen. Stattdessen konnte unser Gegenüber uns erst dann verstehen, als er es selbst erlebt hat und somit fühlen konnte. Das ist der Grund, weshalb wir nach unserem eigenen „Erwachen“, niemanden, mit dem Erzählen unserer Erfahrungen, bewusst machen können.
Die menschliche Spaltung ist an ihrem Höhepunkt. Wir wollen alle mehr Zusammenhalt und Zugehörigkeit fühlen, dennoch war der Mensch auch noch nie so egoistisch, wie in aktuellen Zeiten. Wir wollen das Eine, aber handeln total dagegen. Dabei beginnt der Zusammenhalt schon bei jedem Einzelnen von uns. Wie wir uns gegenüber anderen und uns selbst verhalten, verändert alles. Wir müssen nur endlich damit beginnen.

Hinterlasse einen Kommentar